von Dominique Omakowski
Vor einiger Zeit habe ich mit einer Mitarbeiterin des anderen Hostels in Givat Brenner geredet, die auch im Kibbutz lebt. Sie hat mich auf einen gravierenden Missstand der juedisch-orthodoxen Gesellschaft hingewiesen.
Sie hat mir naemlich erzaehlt, dass in orthodoxen Kreisen, geistig Behinderte in zeugungsfaehigem Zustand haeufig mit einander verheiratet und zur Fortpflanzung angeregt werden wuerden. Dies geschehe, so ihre Aussage, da die Verwandten denken wuerden, dass es von Gott erschaffene Geschoepfe seien, die zu einander gehoerten. Nun bekaemen diese Paare widerum Kinder, die so gut wie immer auch Behinderungen, besonders Autismus aufweisen sollen. Ihre Aussage muss natuerlich ueberprueft werden, aber wenn es stimmt, scheint es ein grosses Problem und ein gravierender Missstand zu sein.
Doch gleichzeitig gab mir das ganze ueber unsere Gesellschaft zu denken: Findet man, diese, wie es scheint, sichere Methode Behinderte in die Welt zu setzen sei verwerflich, sagt man dann sogleich behindertes Leben sei lebensunwuerdig? Versuchen wir somit, vielleicht aus Faulheit, die Belastung so klein wie moeglich zu halten?


6 comments
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28Nov07 um 12:08 am
Miriam Woelke
B”H
Hi,
ich war vor Jahren einmal selbst in Givat Brenner. Im Ulpan. Daher kenne ich einigermassen die Denkweise der dortigen Bewohner. :-)
Es ist so, dass in der orthod. Gesellschaft Behinderte miteinander verheiratet werden, genauso wie Geschiedene miteinander verheiratet werden oder jene, die neu religioes geworden sind. Das ist keine Seltenheit.
Allerdings findet dies nicht statt, um sich Fortzupflanzen, was gesetzlich unmoeglich waere. In Israel duerfen sich Behinderte offiziell nicht unbedingt fortpflanzen, wenn genetische Untersuchungen dagegensprechen. Heisst, wenn eine Behinderung vererbbar ist.
Andererseits werden die Behinderten miteinander verheiratet, damit sie ueberhaupt einen Partner haben, denn nicht jeder “Gesunde” will einen Behinderten heiraten. Aber das ist in jeder Gesellschaft so und nicht nur bei Relig.
Viele Gruesse
Miriam
28Nov07 um 11:24 am
Dominique Omakowski
Hallo Miriam,
Danke sehr fuer die Informationen! Wie gesagt, so wie es dargestellt wurde, war ich mir nicht ganz sicher, ob das stimmt. Habe ich dich richtig verstanden, verheiratete Behinderte bekommen keine Kinder?
lg Dominique
28Nov07 um 12:59 pm
Miriam Woelke
B”H
Hi Dominique,
wie ich schon sagte, nur wenn negative DNA – Tests vorliegen. Heisst, die Behinderung kann vererbt werden. Dann wird von Schwangerschaften abgeraten.
01Dez07 um 11:55 pm
Dominique Omakowski
Heisst abgeraten, denn verhindern? Und was ist, wenn ein Kind unterwegs ist und bei diversen Untersuchung keine koerperlichen Behidnerungen gefunden werden koennen? Autismus wird schliesslich erst im Alter von drei Jahren dieagnostiziert.
24Mrz08 um 8:18 pm
Arno
Behinderte und Kinderkriegen ist ein heikles Thema, ja..
Ich bin Kindergartenpädagoge (noch in Ausbildung) und wir haben uns in meiner Klasse letztens mal in Heil- und Sonderpädagogik darüber unterhalten.
Rein objektiv betrachtet ist es natürlich eine Frechheit Menschen mit Behinderung das Recht auf Kinder abzusprechen oder
zu sagen, dass Kinder, die mit Sicherheit behindert sind, nicht auf die Welt gehören.
Auf der anderen Seit spielt da noch Abhängigkeit (manuell und finanziell) mit eine Rolle..
Bei den orthodoxen Juden spielt womöglich das Gebot des Vermehrens und Fruchtbarseins (min. ein Sohn und eine Tochter!) eine Rolle. Inwiefern Behinderung dieses Gebot außer Kraft setzt weiß ich nicht – im Grunde wäre es aber nicht überraschend, falls es das täte..
Notiz am Rande:
In Österreich (keine Ahnung ob auch woanders) darf man ungeborene Kinder/Phöten., welche eine Behinderung – egal welcher Art und egal welchen Grades – bis zum Tag der Geburt abtreiben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Zaaaaaach, oder?
24Mrz08 um 8:20 pm
Arno
Abgesehen davon, dass 9 Monate zu ein paar Wochen (wo es ja erlaubt ist) auch keinen Unterschied machen..
(ich freu mich schon auf pro-Abrteibungs-Antworten.. g)