von Dominique Omakowski
Vor kurzem habe ich Joseph kennen gelernt, der als Volontär in der Westbank, unweit Betlehems in einer Einrichtung arbeitet und lebt, die den Namen ‘Tent of Nations’ trägt. Er arbeitet dort mit zwei anderen Volontaren, Pia aus Oesterreich und Dominik aus Koelle zusammen und hilft der Besitzerfamilie das Land zu kultivieren und es auf diese Art vor Ueberschreitungen der umliegenden Siedler zu schuetzen und einen Ort der Begegnung fuer internationale Gruppen zu schaffen.
Also habe ich mich auf den Weg gemacht, ihn zu besuchen und dabei einen Einblick in das Leben in der Westbank und speziell an diesem Ort zu bekommen. Es war der Tag des Gipfels von Annapollis und schaerfste Sicherheitsvorkehrungen samt ueber Jerusalem kreisender Hubschrauber wurden angekuendigt. Davon bekam ich dann allerdings nichts zu sehen und so entschied ich auf jeden Fall weiter zu fahren. Besonders interessant war dann die Fahrt zum Tent of Nations. Von Jerusalem aus nahm ich einen Bus, der in die Siedlung Newe Daniel fuhr, die gleich neben dem Berg liegt. Es handelte sich dabei um einen normalen Reisebus, nur dass von innen kugelsichere Scheiben angebracht waren. Ich war der einzige Fahrgast ohne Kippa, wodurch ich verwunderte Blicke auf mich zog.
In der Siedlung angekommen, lief ich hinaus und hoch zum besagten Gipfel. Die Nacht habe ich dann auf dem Berg verbracht und am naechsten Tag gings dann nach Betlehem, wo ich auch einiges erlebte. Doch erstmal mehr zu der Anlage:
Das Grundstueck liegt in der Westbank nahe der israelischen Grenze und ist heute umrundet von juedischen Siedlungen. Es gehoert schon seit 1916 urkundlich der christlich-arabischen Nassar-Familie, die von allen zwischenzeitlichen Besatzern Papiere besitzt, die ihr den Besitz rechtlich zusichern. Auch von der israelischen Regierung.
Den Siedlern ist das ueber 40 Hektar grosse Gebiet aber ein Dorn im Auge und sie wuerden es sich gerne unter den Nagel reissen. Schon vier Mal haben sie versucht mit Bulldozern eine Strasse quer ueber den Berg zu bauen, was aber mittels einstweiliger Verfuegungen vor israelischen Gerichten im letzten Moment verhindert werden konnte.
Besonders beeindruckend ist der Roadblock, der regelmaessig von den Siedlern mit Hilfe der israelischen Armee erneuert wird und den Hauptzufahrtsweg zum Grundstueck der Familie blockiert. Laut Aussage eines Familienmitglied rufen die Siedler hierfuer nur die Armee an, die dann zum einfachen Handlanger ihrer Wuensche wird. Inwiefern dieser Roadblock die Sicherheitslage stabilisieren soll ist sehr fragwuerdig.
Heute heisst das Ganze Tent of Nations – Zelt der Nationen, da es ein Begegnungsort vieler Nationen, Religionen und Kulturen ist. Man kann dort alleine oder als Gruppe hinfahren, dort naechtigen, Spass haben oder arbeiten. Vorausgesetzt man ist an die sehr einfachen Verhaeltnisse gewoehnt.
Denn es gibt keine Baugenehmigung fuer das Land und so gibt es keine Strom- oder Wasserleitung. Es gibt einen Dieselgenerator, der drei Stunden am Tag Elektrizitaet liefert und das Wasser fuer den taeglichen Gebrauch wird mit Hilfe von vier Zisternen gesammelt und dann fuer Duschen, Waesche und Felder zur Verfuegung gestellt. Darueber hinaus benoetigtes Wasser und Trinkwasser wird relativ teuer aus einem arabischen Dorf im Tal geholt.


2 comments
Comments feed for this article
06Dez07 um 2:06 pm
iceman
Sehr interessanter Bericht. Ich würde auch gerne einen Aufenthalt in Israel unternehmen. Leider geht dies zur Zeit aus beruflichen Gründen nicht. Sehr informativer Blog. Habe Sie gleich verlinkt. Gruss aus der Schweiz.
03Mai09 um 12:13 pm
Judit
Es ist wirklich sehr interessant auf diesem Hügel, die Geschichte der Familie, des Grundstückes und auch die Arbeit. Ich war dort leider nur ein Tag, aber vieleicht werde ich im August für 2-3Wochen hingehen…Der Besitzer spricht übrigend perfekt Deutsch, Sprache ist also kein Problem:-)