von Dominique Omakowski
Am naechsten Tag machte ich mich auf nach Betlehem. An der benachbarten Hauptstrasse wartete ich auf das naechste Monit Sherut, das dann auch kam und mich fast ueberfuhr. Es war, wie nicht anders zu erwarten, von Arabern besetzt, die das gleiche Ziel wie ich hatten. Durch den Checkpoint am Eingang der Stadt wurden wir nur durchgewunken und dann kamen wir auch schon in Betlehem an.
Eine Art Busbahnhof, der eigentlich nur durch durchgehend parkende Taxis links und recht am Strassenrand dargestellt wurde eroeffnete sich mir und weiter folgte ich zu Fuss den Ausschilderung in Richtung Geburtskirche (Church of Nativity) deren Entfernung, wie sich dann herausstellen sollte, irgendwie falsch von mir eingeschaetzt wurde.
Besonders aber fiel mir das normale Leben auf, das hier seinen Lauf nahm. Nichts vom Konflikt zu spueren, der taegliche Leben zermuerben soll und keine Terroristen in dunklen Seitenstrassen. Wie einige israelischen Freunde mir sagten, gibt es auch andere Viertel in Betlehem, die wiederum unter israelischer Kontrolle sind und wo es ganz anders aussehen soll. Dort bin ich natuerlich nicht gewesen und werde ich wahrscheinlich auch nie sein. Auf jeden Fall aber war ich eine Attraktion, so als einziger blonder, grossgewachsener Kerl weit und breit. Mein dicker Rucksack enttarnte mich zusatzlich als Tourist.
So lief ich eine ganze Weile, bis mich ein kleiner Junge ansprach – anscheinend war gerade die Schule aus, da sich einige Kinder mit Schulranzen durch die Stadt bewegten – der mich halb arabisch, halb englisch fragte, wo ich hinwolle. Ich war ziemlich skeptisch, zumal kein anderer Tourist in Sicht war und ich fuer Diebe oder Abzocker das mehr oder minder einzige auslaendische Ziel weit und breit war. Zwar fuehrte mich der kleine Rabauke in die richtige Richtung. Doch sturstracks vor das Restaurant seines Onkels, wo ich doch mal einen Blick rienwerfen sollte. Der besagte Herr kam auch schon hinausgeeilt und verweiste auf den neuen aegyptischen Koch, der doch gerne mal mit mir reden wuerde. Das ganze wurde mir ein wenig zu bunt und so lief ich weiter, bis ich eine halbe Stunde spaeter an der Geburtskirche ankam.
Einige palaestinensische Polizei war praesent, doch insgesamt kam mir der Ort samt Vorplatz und Garten ziemlich leer vor. Hoechstens 30 Touristen waren zu sehen und da ich nicht religioes bin, war die Besichtigung der Kirche auch nichts dermassen besonderes fuer mich (Habe schon imposanteres besichtigen duerfen). Die Grotten unterhalb der Kirchen – Denn eigentlich sind es mehrere aneinander gebaute Kirchen – waren jedoch recht aufregend, da sie mir irgendwie halfen, mich in die damalige Zeit zurueck zu versetzen (Auch wenn sie weit nach Jesu’ Geburt erbaut/ergraben wurden).
Von der Leere ziemlich entaeuscht ging ich dann wieder hinaus, wo mich eine Ueberraschung erwartete. Ich sah dort naemlich ein Kamerateam aus Polen stehen (TVN), mit dem ich auch schnell ins Gespraech kam. Wenige Sekunden spaeter wurde ich beim herumlaufen gefilmt und durfte auf die Fragen von Maciej Woroch antworten. Das ganze lief dann letzten Sonntag im polnischen Fernsehen, wo mich meine ganze Familie und ein paar unbenachrichtige Bekannte sehen konnten.
Interessant war auch die Begegnung mit der Ehefrau eines polnischen Diplomaten, der gerade der Leiter der staendigen Vertretung Polens im palaestinensischen Autonomiegebiet ist. Sie fuehrte den Fernsehtrupp an und zeigte dem befreundeten Reporter interessante Orte in Palaestina. Die besagte Dame fuhr mich dann auch zurueck nach Jerusalem, sodass ich nicht durch irgendwelche Passkontrollen musste, sondern einfach von den Diplomatenkennzeichen ihres Wagens und ihrem Diplomatenausweis profitieren konnte.
Lustig war dann die Reaktion meiner Hebraeisch-Lehrerin, als ich ihr von meinem Assflug erzaehlte. Voellig bleich geworden fragte sie mich, ob ich denn auch wuesste, dass man da eigentlich umgebracht wird.


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