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von Dominique Omakowski

betlehem.jpgSchaut man bei Wikipedia nach, um festzustellen, wieviele Einwohner Betlehem eigentlich hat, so wird man die Zahlen mit einiger Verwirrung zur Kenntnis nehmen. “29.930″ Bewohner gaebe es heute angeblich. Waehrend der letzten Intifada (2001-2003) aber sank die Zahl der Christen darunter von “29.401 auf 23.659″. Das wuerde ja bedeuten, dass bis 2001 nur gut 500 Muslime dort gelebt haben muessen, was aber absolut auszuschliessen ist, wenn man schon mal da gewesen ist. Zumindest eine der Zahlen ist also falsch – Arabische Genauigkeit wahrscheinlich.

Bei Hagalil.com habe ich einen Artikel gefunden, der einem die Breite der Desinformation vor Augen fuehrt. Hier einige Auszuege:

[...]Laut einem Reiseführer von 1934 [...] gab es in Bethlehem 6800 Einwohner: 5600 Christen und 1200 Muslime. Das Verhältnis von Christen zu Muslimen schlug 1948 schlagartig um, als [...] die Moslems zur Mehrheit wurden.

Die Gesamtzahl der Einwohner der Region Bethlehem wird von Pastor Mitri Raheb mit 184.000 angegeben. Die Stadtverwaltung Bethlehems kennt angeblich 164.000 registrierte Einwohner, doch Bürgermeister Victor Batarseh redet von nur 28.000 Bürgern. In deutschen Medien schwanken die Zahlen zwischen 140.000 beim Bayrischen Rundfunk, 130.000 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 50.000 beim Deutschen Verein des Heiligen Landes, 38.000 oder 27.000 nach Angaben des Caritas Babyhospital, je nachdem, wer interviewt wurde. Die Palästinensische Generaldelegation in Bonn [...] bildet mit nur 22.000 Einwohnern Bethlehems das Schlusslicht. Je nach Quelle schwankt also die Einwohnerzahl in Bethlehem um das Achtfache. Das ist, als ob in Berlin, je nach Quelle, 3,3 Millionen oder aber 26 Millionen Menschen, ein Drittel der deutschen Bevölkerung, lebten.

Noch verwirrender sind die Angaben zu den in Bethlehem lebenden Christen. Je nach Quelle schwankt das Verhältnis der Christen zu Moslems in Bethlehem von 2% (Deutscher Verein des Heiligen Landes), 20 % (FAZ), 25% (Ökumenischer Rat der Kirchen), einem Drittel (ZDF, Batarseh), 41 % (Raheb) und “über” 50 % (Generaldelegation). Da aber die Zahl der Einwohner ebenso gewaltig schwankt, gelangt man zu absurden Ergebnissen beim Versuch, die absolute Zahl der Christen in Bethlehem zu ermitteln [...]. Falls die Christen laut Deutschem Verein des Heiligen Landes tatsächlich nur 2 Prozent von 50.000 Einwohnern ausmachen, dann wären es Tausend. Wenn aber 3000 von ihnen das Land verlassen hätten, gäbe es heute minus zweitausend Christen in Bethlehem. Bei den anderen Quellen schwankt die Zahl der Christen zwischen 3600 und 75.000, also fast das Dreifache der mutmaßlich offiziellen Einwohnerzahl Bethlehems von etwa 28.000 Bürgern. Die FAZ weiß von 30.000 Christen und die Generaldelegation von nur 11.000. [...]

[Eine moegliche Erklaerung]

[...]Man könnte meinen, als gäbe es dreimal mehr Christen in Bethlehem als Einwohner. Jene, die einen besonders hohen christlichen Bevölkerungsanteil nennen, wollen Spenden für eine „christliche“ Stadt anlocken. Auffällig niedrige Christenzahlen werden zusammen mit Beschreibungen der israelischen Besatzungspolitik genannt. [...]

von Dominique Omakowski

baum1.jpgחג שמח – Heute ist der 15. des Monats Schwat, das heisst die Juden feiern das neue Jahr der Baeume: Tu be Schwat. Der Natur wird gedacht, die Rolle des Landes fuer das Volk hervorgehoben. Dabei gibt es eine wichtige Tradition zu beachten, die – so meine persoenliche Meinung – nur eingerichtet wurde, weil die Juden sich mal wieder richtig besaufen wollten (Uebrigens auf sephardische Kabbalisten aus dem 16. Jahrhundert zurueckzufuehren).

Man trinkt 4 Glaeser Wein. Das erste ist purer Weisswein. Beim zweiten kommt ein wenig Rotwein hinzu. Beim dritten verlagert sich die Gewichtung und das letzte besteht nur aus Rotwein.

Der Wechsel von weiss zu rot symbolisiert den Wechsel der Farben in der Landschaft in Israel: Vom Ruhen der Landschaft im Winter ueber das langsame Erwachen der Natur und die zu dieser Zeit in rosa bluehenden Pflanzen bis zu den satten Rottoenen.
In der Mystik steht weiss fuer die maennlichen Aspekte Gottes (Samen) und rot fuer die weiblichen (Blut). Die wenigen Tropfen Weisswein im 4. Glas weisen auf die verborgenen Aspekte Gottes in der sichtbaren Welt hin. – http://www.hagalil.com

Ausserdem ist es ein beliebter Brauch am heutigen Tag einen Baum zu pflanzen, doch das und die generelle Kultivierung von Land ist den Juden alle sieben Jahre nicht gestattet und natuerlich sind wir gerade in einem solchen Jahr. Dabei sollte man bemerken, dass sich heute aber kaum ein Israeli daran haelt.

von Dominique Omakowski

israel117wc.jpgDas neue Bild der Woche zeigt ein paar israelische Damen, die gerade ihren Militaerdienst leisten. In Europa kriegt man sowas ja eher selten zu sehen. Also, ruhig mal einen genaueren Blick drauf werfen. Gott wird es sicherlich verzeihen…

von Dominique Omakowski

picture-30.jpgEin wenig ueberrascht hat mich die Meldung schon. Ein Volontaer (20) aus Ecuador wurde von einem palaestinensischen Scharfschuetzen aus dem Gazastreifen erschossen, waehrend er Feldarbeit im Kibbutz Ein Hashlosha leistete. Der Ort liegt nur einen Steinwurf von Hamastan entfernt.

Natuerlich ist das wirklich sehr bedauerlich und traurig und hat wahrscheinlich alle Volontaere zutiefst getroffen. Aber zur Beruhigung sollte man auch auf die Besonderheit des Volontaers hinweisen, dessen Situation keineswegs auf alle Volontaere zutriftt und nur wenigen vorbehalten ist.

Denn es ist ungewoehnlich, dass jemand sein Volontariat direkt neben dem Gazastreifen leistet, denn Einjedem hier ist die Gefahr bewusst, die von diesem Gebiet ausgeht! Trotzdem gibt es einige, die diese Gefahr in Kauf nehmen. Die Tatsache, dass er es getant hat ist wohl auch damit zu erklaeren, dass sich der junge Mann sehr in das Land verliebt haben soll und sogar in der israelischen Armee dienen wollte.

Eine grundsaetzliche Warnung an alle Volontaere in Israel sollte von dieser Tat also nicht ausgesprochen werden. Aber den Gaza-Streifen werde ich zumindest auch in Zukunft nur auf Bildern zu sehen bekommen.

von Dominique Omakowski

christmas.jpgHeiligabend im heiligen Land soll ja etwas besonderes sein. Und das war es auch. Auf jeden Fall irgendwie anders. Einiges habe ich erlebt, auf anderes haette ich lieber verzichtet, doch aufregend war es. Aber lest selbst:

Am 24. Dezember geht es mittags los. Mit Aline und Sandra, Co-Volontaerinen aus Deutschland/Lettland, machen wir uns auf den Weg gen Osten. Wir moechten Heiligabend in Jerusalem und Betlehem verbringen. In den letzten Wochen war nicht gerade Weihnachtsstimmung aufgekommen, denn Juden feiern kein Weihnachten. Schon schade, irgendwie. Nur gelegentliche Plaetzchenlieferungen aus der Heimat erinnerten an die sonst so intensive Adventszeit.

An der Central-Bus-Station in Jerusalem angekommen, treffen wir Heike eine Freundin Alines, die fuer zwei Wochen nach Israel gekommen ist und Heiligabend mit uns verbringen wird.

Zu viert laufen wir los, die Jaffa Street hinunter, die direkt zur Altstadt fuehrt. Auch hier ist nicht allzu viel von Weihnachten mitzubekommen. Fern entsinne ich mich der geschmueckten Strassen Berlins, wie ich sie sonst Jahr fuer Jahr zu sehen bekomme, doch die Erinnerungen verschwimmen.

Irgendwie geniesse ich es ja auch, nicht omnicausal mit Weihnachten zugetrasht zu werden. Es hat naemlich auch entspannende Vorteile nicht dem standigen Weihnachtsgeruch, der kommerzielen Seite des Fests und der gezwungenen Freundlichkeit ausgezetzt zu sein.

Auf einmal, in Gedanken versunken, treffen wir auf eine Menschenmenge und dahinter eine Strassensperre. Polizewagen blockieren die Jaffa Street beidseitig. Was ist los? Eine Terrorwarnung? Ein Anschlag? Schliesslich sind 65.000 christliche Touristen fuer die Weihnachtstage nach Jerusalem und Betlehem gekommen. Den Fussgaengern stockt der Atem. Sind wir hier in Sicherheit? Ein bis zu den Haarspitzen gepanzerter Polizeibeamter naehert sich einer Bushaltestelle ca. 75 Meter von uns entfernt. Die Situation ist neu fuer mich. Man hoert viel von solchen Ereignissen, aber selber dabei zu sein ist was anderes. Und hat auch was beaengstiges. Ich frage mich nur, wieso dieser gepanzerte Kerl mit nackten Armen herumlaufen muss. Was nuetzt da die Panzerung?

Schliesslich erreicht er das Zielobjekt. Er zieht etwas am oberen Rand der Bushaltestelle heraus. Es sieht aus wie ein Guertel. Und ist es wahrscheinlich auch. Jemand hat ihn, aus welchen Gruenden auch immer, dort herumgewickelt. Als er im naechsten Muelleimer versinkt, scheinen die Menschen um uns herum erleichtert. Fehlalarm. Recht flink nimmt das Leben seinen gewohnten Lauf. Wir setzen unseren Weg fort.

Die Altstadt erreicht, setzen wir uns in ein arabisches Restaurant und essen Pita mit Humus, Falafel und Salat. Unser Weihnachtsessen; mal anders. Um 17 Uhr beginnt die Messe in der lutheranischen Weihnachtskirche in Betlehem und die Zeit rast. Wir geraten und Zeitdruck und brechen zum arabischen Busbahnhof auf. Von dort wollen wir ein Monit Sherut nach Betlehem nehmen.

Als wir das Sherut betreten wollen, kommen einigen unter uns Zweifel, ob der Betlehem-Besuch denn tatsaechlich so sicher sei. Letztenendes kann sich dann aber ein jeder dazu durchringen loszufahren. Die Fahrt geht in Richtung Grenze Israels, dem Checkpoint nach Betlehem. Im Bus herrscht schon weihnachtlichere Stimmung, denn unter anderem wird Stille Nacht vom arabischen Radiosender gespielt. Bizarr ist nur, dass auf die bekannte Melodie ein arabischer Text gelegt wurde, der einen daran erinnert, dass hier doch nicht alles wie daheim ist.

Am Checkpoint angekommen, geht alles eigentlich recht schnell. Kurz die Ausweise vorgezeit und durchgelaufen. Der deutsche Reisepass ist hier sehr dienlich. Kaum raus aus dem Grenzuebergang, sehen wir ein Meer an Taxis und eine Vielzahl von Taxifahrern, die auf uns zukommen und uns versuchen zu ueberzeugen, sie seien die beste Wahl. Nach einigem Ringen um einen geeigneten Preis (15-60 Schekel wird geaeussert) sind wir dann auch schon auf dem Weg zur lutheranischen Weihnachtskirche, die uebrigens ein kleines Stueck von der Geburtskirche entfernt liegt, aber als Besonderheit einen internationalen Gottesdienst anbietet: sowohl in deutsch, englisch als auch arabisch. Und man braucht hier keine Eintrittskarte.

Doch leider erreichen wir den Ort zu spaet. Zwanzig Minuten Verspaetung machen viel aus. Die doch ziemlich kleine Kirche ist voll, nichts zu machen. Bis draussen stehen die Leute. Es waren wohl einige zu spaet gekommen. Entaeuschung macht sich breit. Zwar hat Sandra es geschaft Karten fuer die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche zu bekommen, doch wir sind leider leer ausgegangen und alles sieht danach aus, dass wir an diesem Abend keine Kirche von innen zu sehen bekommen.

Aline hat letztendlich genug vom rumstehen und macht sich auf die Suche nach einem Hintereingang (wie ihn doch jede Kirche hat ?!…….) und ruft uns nach einiger Zeit zu sich. Sie steht am Kellereingang der Kirche mit zwei jungen, christlichen Arabern. Im Keller befinden sich die Bueroraueme der Kirche und so kommt eines zum anderen. Wenig Zeit spaeter sitzen wir zusammen mit den beiden kuerzlich gemachten Bekanntschaften vor einem Computer und schauen den Internet-Livestraem der Messe, die gerade ueber unseren Koepfen stattfindet. Vielleicht nicht der Traum, wie man Weihnachten in Betlehem verbringen moechte, aber immerhin eine unterhaltsame Situation.

Kaum ist die Messe vorueber, stroemen die Menschen schon heraus und wir sind ueberrascht, wie viele Deutsche den Weg hierher gefunden haben. Noch einen kurzen Blick in die Kirche geworfen, die auf dem Videobild viel groesser wirkte und dann entschieden wir uns auch schon zurueck nach Jerusalem zu fahren und Sandra alleine zu lassen.

Auf jeden Fall war es ein besonderer Tag, der uns alle um einige Erfahrungen reicher gemacht hat. Vergessen werde ich das so schnell nicht!

von Dominique Omakowski

george_w_bush.jpgGestern war George W. Bushs letzter Tag in Israel. Auf gleich drei Sendern konnte man seinen Besuch in Yad Vashem betrachten, der bedeutendsten Gedenkstätte der nationalsozialistischen Judenvernichtung.

Insgesamt war Bush in allen Medien (Printmedien, Radio, Fernsehen, Internet) unglaublich praesent. Doch wirklich darueber geredet haben die Menschen, die ich getroffen habe nicht. Gerade im Kibbutz ist oftmals ein gewisser Antiamerikanismus zu verspuehren. Vielen ist es einfach egal.

Laut einem Fernsehbericht hat Bushs Bewachung 25.000 $ pro Stunde gekostet. Darueber haben sich viele Autoren beschwert. Insgesamt kostete seine Sicherheit 2 Mio $. Meiner Meinung keiner dermassen hohe Summe, aber na gut. Soll jeder was zu meckern haben.