von Dominique Omakowski
Heiligabend im heiligen Land soll ja etwas besonderes sein. Und das war es auch. Auf jeden Fall irgendwie anders. Einiges habe ich erlebt, auf anderes haette ich lieber verzichtet, doch aufregend war es. Aber lest selbst:
Am 24. Dezember geht es mittags los. Mit Aline und Sandra, Co-Volontaerinen aus Deutschland/Lettland, machen wir uns auf den Weg gen Osten. Wir moechten Heiligabend in Jerusalem und Betlehem verbringen. In den letzten Wochen war nicht gerade Weihnachtsstimmung aufgekommen, denn Juden feiern kein Weihnachten. Schon schade, irgendwie. Nur gelegentliche Plaetzchenlieferungen aus der Heimat erinnerten an die sonst so intensive Adventszeit.
An der Central-Bus-Station in Jerusalem angekommen, treffen wir Heike eine Freundin Alines, die fuer zwei Wochen nach Israel gekommen ist und Heiligabend mit uns verbringen wird.
Zu viert laufen wir los, die Jaffa Street hinunter, die direkt zur Altstadt fuehrt. Auch hier ist nicht allzu viel von Weihnachten mitzubekommen. Fern entsinne ich mich der geschmueckten Strassen Berlins, wie ich sie sonst Jahr fuer Jahr zu sehen bekomme, doch die Erinnerungen verschwimmen.
Irgendwie geniesse ich es ja auch, nicht omnicausal mit Weihnachten zugetrasht zu werden. Es hat naemlich auch entspannende Vorteile nicht dem standigen Weihnachtsgeruch, der kommerzielen Seite des Fests und der gezwungenen Freundlichkeit ausgezetzt zu sein.
Auf einmal, in Gedanken versunken, treffen wir auf eine Menschenmenge und dahinter eine Strassensperre. Polizewagen blockieren die Jaffa Street beidseitig. Was ist los? Eine Terrorwarnung? Ein Anschlag? Schliesslich sind 65.000 christliche Touristen fuer die Weihnachtstage nach Jerusalem und Betlehem gekommen. Den Fussgaengern stockt der Atem. Sind wir hier in Sicherheit? Ein bis zu den Haarspitzen gepanzerter Polizeibeamter naehert sich einer Bushaltestelle ca. 75 Meter von uns entfernt. Die Situation ist neu fuer mich. Man hoert viel von solchen Ereignissen, aber selber dabei zu sein ist was anderes. Und hat auch was beaengstiges. Ich frage mich nur, wieso dieser gepanzerte Kerl mit nackten Armen herumlaufen muss. Was nuetzt da die Panzerung?
Schliesslich erreicht er das Zielobjekt. Er zieht etwas am oberen Rand der Bushaltestelle heraus. Es sieht aus wie ein Guertel. Und ist es wahrscheinlich auch. Jemand hat ihn, aus welchen Gruenden auch immer, dort herumgewickelt. Als er im naechsten Muelleimer versinkt, scheinen die Menschen um uns herum erleichtert. Fehlalarm. Recht flink nimmt das Leben seinen gewohnten Lauf. Wir setzen unseren Weg fort.
Die Altstadt erreicht, setzen wir uns in ein arabisches Restaurant und essen Pita mit Humus, Falafel und Salat. Unser Weihnachtsessen; mal anders. Um 17 Uhr beginnt die Messe in der lutheranischen Weihnachtskirche in Betlehem und die Zeit rast. Wir geraten und Zeitdruck und brechen zum arabischen Busbahnhof auf. Von dort wollen wir ein Monit Sherut nach Betlehem nehmen.
Als wir das Sherut betreten wollen, kommen einigen unter uns Zweifel, ob der Betlehem-Besuch denn tatsaechlich so sicher sei. Letztenendes kann sich dann aber ein jeder dazu durchringen loszufahren. Die Fahrt geht in Richtung Grenze Israels, dem Checkpoint nach Betlehem. Im Bus herrscht schon weihnachtlichere Stimmung, denn unter anderem wird Stille Nacht vom arabischen Radiosender gespielt. Bizarr ist nur, dass auf die bekannte Melodie ein arabischer Text gelegt wurde, der einen daran erinnert, dass hier doch nicht alles wie daheim ist.
Am Checkpoint angekommen, geht alles eigentlich recht schnell. Kurz die Ausweise vorgezeit und durchgelaufen. Der deutsche Reisepass ist hier sehr dienlich. Kaum raus aus dem Grenzuebergang, sehen wir ein Meer an Taxis und eine Vielzahl von Taxifahrern, die auf uns zukommen und uns versuchen zu ueberzeugen, sie seien die beste Wahl. Nach einigem Ringen um einen geeigneten Preis (15-60 Schekel wird geaeussert) sind wir dann auch schon auf dem Weg zur lutheranischen Weihnachtskirche, die uebrigens ein kleines Stueck von der Geburtskirche entfernt liegt, aber als Besonderheit einen internationalen Gottesdienst anbietet: sowohl in deutsch, englisch als auch arabisch. Und man braucht hier keine Eintrittskarte.
Doch leider erreichen wir den Ort zu spaet. Zwanzig Minuten Verspaetung machen viel aus. Die doch ziemlich kleine Kirche ist voll, nichts zu machen. Bis draussen stehen die Leute. Es waren wohl einige zu spaet gekommen. Entaeuschung macht sich breit. Zwar hat Sandra es geschaft Karten fuer die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche zu bekommen, doch wir sind leider leer ausgegangen und alles sieht danach aus, dass wir an diesem Abend keine Kirche von innen zu sehen bekommen.
Aline hat letztendlich genug vom rumstehen und macht sich auf die Suche nach einem Hintereingang (wie ihn doch jede Kirche hat ?!…….) und ruft uns nach einiger Zeit zu sich. Sie steht am Kellereingang der Kirche mit zwei jungen, christlichen Arabern. Im Keller befinden sich die Bueroraueme der Kirche und so kommt eines zum anderen. Wenig Zeit spaeter sitzen wir zusammen mit den beiden kuerzlich gemachten Bekanntschaften vor einem Computer und schauen den Internet-Livestraem der Messe, die gerade ueber unseren Koepfen stattfindet. Vielleicht nicht der Traum, wie man Weihnachten in Betlehem verbringen moechte, aber immerhin eine unterhaltsame Situation.
Kaum ist die Messe vorueber, stroemen die Menschen schon heraus und wir sind ueberrascht, wie viele Deutsche den Weg hierher gefunden haben. Noch einen kurzen Blick in die Kirche geworfen, die auf dem Videobild viel groesser wirkte und dann entschieden wir uns auch schon zurueck nach Jerusalem zu fahren und Sandra alleine zu lassen.
Auf jeden Fall war es ein besonderer Tag, der uns alle um einige Erfahrungen reicher gemacht hat. Vergessen werde ich das so schnell nicht!


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