von Dominique Omakowski
Ein wenig ueberrascht hat mich die Meldung schon. Ein Volontaer (20) aus Ecuador wurde von einem palaestinensischen Scharfschuetzen aus dem Gazastreifen erschossen, waehrend er Feldarbeit im Kibbutz Ein Hashlosha leistete. Der Ort liegt nur einen Steinwurf von Hamastan entfernt.
Natuerlich ist das wirklich sehr bedauerlich und traurig und hat wahrscheinlich alle Volontaere zutiefst getroffen. Aber zur Beruhigung sollte man auch auf die Besonderheit des Volontaers hinweisen, dessen Situation keineswegs auf alle Volontaere zutriftt und nur wenigen vorbehalten ist.
Denn es ist ungewoehnlich, dass jemand sein Volontariat direkt neben dem Gazastreifen leistet, denn Einjedem hier ist die Gefahr bewusst, die von diesem Gebiet ausgeht! Trotzdem gibt es einige, die diese Gefahr in Kauf nehmen. Die Tatsache, dass er es getant hat ist wohl auch damit zu erklaeren, dass sich der junge Mann sehr in das Land verliebt haben soll und sogar in der israelischen Armee dienen wollte.
Eine grundsaetzliche Warnung an alle Volontaere in Israel sollte von dieser Tat also nicht ausgesprochen werden. Aber den Gaza-Streifen werde ich zumindest auch in Zukunft nur auf Bildern zu sehen bekommen.


8 comments
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16Jan08 um
ulrike
um dir mal zu widersprechen.. es ist keineswegs unueblich, sein volontariat am gazastreifen zu leisten, bin ich doch selbst seit vier monaten im kibbutz nir oz, was direkt an der granze liegt und ist dieses doch auch von noch vier anderen kibbutzim direkt umgeben.
in jedem dieser kibbutzim sind volontaere beschaeftigt, die allerdings normalerweise nicht direkt am grenzzaun arbeiten.
normalerweise werden die feldarbeiter, die so nahe an gaza arbeiten, auch von der army eskortiert, doch ungluecklicherweise fiel diese eskorte eben gestern fuer eine halbe stunde aus, wodurch der schuetze freies schussfeld bekam und auf den fluechtenden volontaer schiessen konnte.
ich muss dazu sagen, dass ich ihn, dessen name uebrigens carlos war, gekannt habe und er ein freund von mir war.
und es waere schoen, wuerdest du seinen tod ein wenig mehr wuerdigen und die ganze sache nicht so hinstellen, als waere es allein seinem leichtsinn verschuldet, dass er jetzt tot ist.
er ist ausserdem der erste volontaer ueberhaupt, der in israel erschossen wurde.
16Jan08 um
Flexor
Ouch…
16Jan08 um
Dominique Omakowski
Liebe Ulrike,
Die Nachricht hat nicht nur alle Volontaere, auch die die Carlos nicht kannten, sehr erschuettert, sondern auch die Israelis selbst. Ich wollte Carlos in keinster Weise Leichtsinn unterstellen, schliesslich kannte ich ihn nicht und habe nie zuvor von ihm gehoert.
Mir ist natuerlich klar, dass er nicht der einzige Volontaer in der Gegend war. Es ging mir mit dem Beitrag eher darum, Leute, die Israel nicht kennen oder nie hier waren (auch meine Familie und Freunde…) zu beruhigen und hervorzuheben, dass die meisten Volontaere nicht so nahe am Gaza-Streifen arbeiten und sich deshalb nicht der gleichen Gefahr aussetzen.
Bitte korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber wenn man in ein Kibbutz nahe des Gaza-Streifen geht, ist das doch gefaehrlicher, als weiter im Landesinnern und die Entscheidung dort hinzugehen ist doch wissentlich und bewusst oder?
Entschudlige bitte, wenn ich deine Gefuehle in irgendeiner Weise verletzt habe.
05Feb08 um
Nicole
Hallo Ulrike,
wie ich sehe schreibst du deutsch und lebst offensichtlich im Kibbutz Nir Oz. Dort habe ich vor 5 Jahren während des Irakkrieges gelebt. Ich habe die Nachrichten von dem erschossenen Volontär über Radio gehört, aber in Verbindung mit Nir oz nicht mit Haschlosha.
Wollte eigentlich nur mal wissen, wie es dir geht in Nir Oz? Ich vermisse manchmal das Kibbutzleben und einige Leute dort, habe aber vollkommen den Kontakt verloren. Vielleicht kannst du mich ein bissl updaten…
Nicole
05Feb08 um
Marion Sens
Lieber Dominique,
habe mir gerade auf Deiner Seite die Fotos von Givat Brenner angeschaut und ein paar Deiner Artikel gelesen. Was Du schreibst gefällt mir! Ok, die Kritik von Sammy bezüglich “Hagalil” ist sicherlich nicht unbegründet, aber schon ziemlich extrem. Alle jüdischen Israelis nach Uganda? Meine Güte, die Zeiten sind doch wohl vorbei, oder?
Von Carlos Tod habe ich auch erfahren. Ich bin da ganz Deiner Meinung: Ich halte es auch für leichtsinnig, sich einen Kibbuz in unmittelbarer Nähe des Gazastreifens auszusuchen. Ulrikes Hinweis, dass es der erste Volontär war, der in Israel erschossen wurde, ist nicht richtig: an der libanesischen Grenze gab es z.B. vor einigen Jahren immer Zwischenfälle, bei denen auch Volontäre ums Leben kamen. Und auch in der Nähe von Hadera gab es 2001/2002 deponierte Bomben in verschiedenen Kibbuzim-Pubs, die nur durch glückliche Zufälle kein größeres Unheil anrichteten.
Sind die autistischen Kinder in Givat Brenner jetzt in bessere Behausungen umgezogen? Ich hoffe sehr! Die Unterbringung in Givat Brenner ist teilweise leider absolut nicht mehr zeitgemäß.
In 2001 wohnte ich für sechs Monate auf dem Hügel in Nähe des Chader Ochel (ich besuchte den Ulpan - Kita von Mimi Seligmann - und arbeitete jeden zweiten Tag im Chadri Cholim. Zum Duschen wagte ich mich nur mit Plastikschlappen, um mir ja keinen Pilz anzulachen - bei Dir scheint es ähnlich zu sein, oder?).
Ich wünsche Dir noch eine gute und interessante Zeit und ab Sommer einen super Start in Frankreich!
Falls Du mal Zeit und Lust hast: besuche doch mal in Givat Brenner meinen alten Freund Peretz Shacham. Er wohnt an der Zufahrtstraße im oberen Bereich (also wenn Du mit dem Bus 301 von Rechovot oder Tel Aviv kommst) auf der rechten Seite. Er wird sich bestimmt freuen, wenn Du kommst und hat jede Menge zu erzählen.
Falls Du Mimi Seligmann (meistens leider sehr schlecht gelaunt) und Amiram Tuchman kennst: schöne Grüße von mir.
Grüße aus Deutschland (Augsburg).
Wie lange bist Du denn noch in Givat Brenner?
Marion Sens
07Feb08 um
Dominique Omakowski
Hey Marion,
Danke fuer die Informationen bezueglich anderer Todesfaelle von Volontaeren. Hatte bisher auch noch nichts davon gehoert.
Also die Kinder wohnen jetzt in viel besseren Verhaeltnissen! Sind vor einigen Monaten in ein neues Hostel gezogen, gleich gegenueber des grossen Hostels mit den erwachsenen Autisten.
Mittlerweile wohne ich auch in einem Teil des Hostels, welcher auf Grund der Renovierung natuerlich hygienisch einwandfrei ist, aber davor in Beit Jescha war es tatsaechlich katastrophal, uebrigens einer der Gruende weshalb ich mich fuer die jetzige Variante entschied.
Ich denke ich werde demnaechst mal Peretz besuchen, Mimi habe ich schon Gruesse zukommen lassen!
Ich bin noch bis Ende Juli hier und dann geht’s nach Frankreich, vielen Dank fuer die Glueckwuensche.
Gruesse vom Huegel
Dominique
08Feb08 um
Marion Sens
Lieber Dominique,
schön, dass Du jetzt eine gute Behausung hast … und die Autisten auch :-)
Bei wem hast Du denn Hebräischunterricht? Etwa bei Mimi ??? :-)
Habe irgendwo gelesen, dass Du jetzt auch mit der Humussucht infiziert bist.
Mensch, hast Du es gut! Kriegst den an jeder Ecke in allen erdenklichen Variationen, während ich ihn mit viel Aufwand selbst köcheln muss …
Am besten besuchst Du Peretz ab 17 Uhr (weil er vorher seinen Mittagsschlaf macht).
Vielleicht lohnt sich auch noch für Dich ein Besuch bei Mimmis Vater, Chaim Seligmann. Er lebte als Kind in Karlsruhe, wanderte dann nach Palästina aus und hat die Kibbuzbewegung so ziemlich von Anfang an dokumentiert, auch ein Buch darüber geschrieben. Er war lange Jahre Gastprofessor an der Uni Bielefeld im Bereich Soziologie und musste dann leider irgendwann seine Reisen und Vorlesungen auf Grund seines Alters einstellen. In der “Süddeutschen” las ich (im letzten Jahr?) einen Artikel über Chaim, es ging um die “Jeckes” in Israel.
Ich wünsche Dir noch eine gute Zeit auf “dem Hügel”.
Falls ich vor Deiner Abreise noch nach Givat Brenner komme, melde ich mich kurzfristig. Deine Telefonnummer habe ich ja.
Kol tov we gam “Happy Humus”, Marion
25Feb08 um
ulrike
liebe nicole,
schön, dass man auch in deutschand immer wieder leute findet, denen das wunderschöne nir oz ein begriff ist.
wann, sagtest du, warst du dort? vor fünf jahren? als volontär?
ich bin mittlerweile wieder in deutschland, vermisse den kibbutz, das leben und die menschen dort aber ganz schrecklich, und überlege, im sommer nochmal hinzufahren, diesmal allerdings nur als tourist. an wen kannst du dich denn noch erinnern? und wo hast du gearbeitet? falls du bei facebook angemeldet bist, gibt es dort auch ene gruppe, die es ehemaigen nir oz volomtären ermöglicht, in kontakt zu bleiben oder diesen wieder aufzunehmen.
würde mich freuen, von dir zu hören